Aktivworkshops

Viele historische Handwerkstechniken sind heute fast vergessen. Um diesen drohenden Kulturverlust entgegen zu wirken, ist es uns ein großes Anliegen, Besuchern die alten Techniken (spielerisch) näherzubringen.

Unsere Aktiv-Workshops wecken die Lust am Erlernen historischer Fertigkeiten. Wir bieten ein vielseitiges Programm, das sich an traditionellen Überlieferungen orientiert, diese jedoch in die Gegenwart transferiert und mit modernen Materialien kombiniert.

Anmeldung:
Anmeldung bis spätestens vier Wochen vor dem Wunschtermin bei der Zwettl-Info im Alten Rathaus unter Tel. 02822/503 139 oder E-Mail senden.
Bitte beachten Sie, dass ein Workshop erst ab 3 Personen durchgeführt wird.

Es gelten folgende Stornobedingungen:

Bis 4 Tage vor VeranstaltungGratis
4 bis 1 Tag vor der Veranstaltung50 % des Gesamtbetrages
Am Veranstaltungstag100 % des Gesamtbetrages

Model- und Stoffdruck

Personenanzahl:maximal 7 Personen
Alter:ab 7 Jahren
Dauer:ca. 1 Stunde
Kosten: € 20,00 pro Person
Zeug- und BlaudruckZeug- und Blaudruck

Bei diesem Workshop geht es um das traditionelle Färberhandwerks. Unter Anleitung bedrucken die Teilnehmer Textilien mit handgefertigten Holzmodeln, die historischen Vorbildern nachempfunden sind. 

  • Zur Auswahl stehen zahlreiche Druckstöcke, um T-Shirts, Stofftaschen oder ungefärbten Baumwoll- und Leinenstoff individuell zu gestalten. 
  • Bitte eine Malschürze mitbringen. 
  • Optional können vorgewaschene Stoffe oder Kleidungsstücke mitgebracht werden. 

Geschichtlicher Hintergrund
Der Zeugdruck kam Ende des 17. Jahrhunderts von Indien nach Europa und diente ursprünglich als preiswerte, aber kunstvolle Alternative zu teuren Seidengeweben. Dabei werden Muster mit geschnitzten Holzplatten direkt auf den Stoff gedruckt. 

Tradition in Zwettl
Das Färbergewerbe hat in Zwettl eine lange Geschichte, insbesondere am Standort Syrnauer Straße 14, wo seit dem 17. Jahrhundert Färbermeister nachweisbar sind. Bekannte Meister wie Johann Georg Klinger prägten das Handwerk bis ins frühe 20. Jahrhundert. Im Stadtmuseum können heute die originalen Druckstöcke aus dem 18. und 19. Jahrhundert bewundert werden. 

Besonderheit: Der Blaudruck
Eine technisch anspruchsvollere Variante ist der Blaudruck. Ähnlich wie beim Batiken wird hier nicht die Farbe aufgedruckt, sondern eine Schutzmasse (der „Papp“). Im anschließenden Färbebad nehmen die bedruckten Stellen keine Farbe an, wodurch die charakteristischen weißen Muster auf blauem Grund entstehen.

Brettchenweben

Personenanzahl:maximal 10 Personen
Alter:ab 8 Jahren
Dauer:ca. 1 Stunde
Kosten: € 15,00 pro Person


BrettchenwebenBrettchenweben

Das „Bandlkramerlandl“! Das Brettchenweben ist eine faszinierende, fast vergessene Form der Bandweberei. Bei dieser Technik werden bunte Fäden durch gelochte Brettchen gezogen. Durch präzise Vierteldrehungen entsteht das Webfach für den Schussfaden, wodurch kunstvolle, farbige Muster sichtbar werden.

  • An vorbespannten Webstühlen gestalten Sie individuelle Lesezeichen, Schlüsselanhänger oder Freundschaftsbänder. 

Geschichtlicher Hintergrund

Die Wurzeln des Brettchenwebens reichen weit zurück: Funde von Webbrettchen aus Holz oder Horn datieren bis in die Eisenzeit. 

Die Bandweberei im Waldviertel

Zwettl und seine Umgebung haben eine bedeutende Webereitradition: In Schloss Rosenau betrieben die Meister Johann Peter Wührer und Martin Pauer bereits vor 1760 im „Großen und Kleinen Bandlhaus“ eine Weberei nach holländischer Art. 1779 gründete Lorenz Wöber eine Bandfabrik am Edelhof, die er 1794 direkt an den Zwettler Hauptplatz 10 verlegte. Bis 1805 blieb dieser Betrieb ein Zentrum der regionalen Textilherstellung.

Zinngießen

Personenanzahl:maximal 10 Personen
Alter:ab 8 Jahren
Dauer:ca. 1 Stunde
Kosten: € 15,00 pro Person


Zinn gießenZinngießen

Der Workshop beginnt mit einer Inspiration in der Antonsammlung, wo historische Zinnobjekte deren Herstellung und Verwendung veranschaulichen. Anschließend werden die Teilnehmer selbst kreativ: Unter Anleitung werden eigene Gussformen aus Gips oder Formsand hergestellt. Alternativ kann aus einem Fundus bestehender Formen gewählt werden. 

Es entstehen individuelle Schmuckstücke, Medaillen oder kleine Figurinen. 

Geschichtlicher Hintergrund
Zinn ist eines der ältesten Metalle der Menschheit. Da es weder rostet noch zerbricht, war es seit dem Mittelalter das bevorzugte Material für bürgerliches Tafelgeschirr, Zunftbecher und Spielzeug. 

Zinngießer in Zwettl
Bereits 1441 wurde in Zwettl erstmals ein Zinngießer urkundlich erwähnt. Besonders im 16. und frühen 17. Jahrhundert erlebte das Handwerk in der Stadt eine Blütezeit, in der mehrere Meister gleichzeitig tätig waren. 

Wissenswertes zum Material
Ursprünglich aus Indien stammend, wurde Zinn später im Erzgebirge und in England abgebaut. Heute ist Malaysia der Hauptlieferant. Hochwertiges „Feinzinn“ (90–100 % Zinnanteil) erkennt man beim Biegen am charakteristischen Knistern, dem sogenannten Zinngeschrei. Während früher oft Blei beigemengt wurde, um das Material schwerer und billiger zu machen, darf für Gefäße mit Lebensmittelkontakt heute nur noch ungiftiges Feinzinn verwendet werden. Jede nur erdenkliche Oberflächenbearbeitung ist ohne große Mühe möglich. Auch der relativ niedrige Schmelzpunkt (ca. 230°C) vereinfacht die Bearbeitung.

Filzen

Personenanzahl:maximal 10 Personen
Alter:ab 4 Jahren
Dauer:ca. 1 Stunde
Kosten: € 20,00 pro Person


Gefilzter Walk

Filz ist ein wahres Naturwunder: Er wärmt, schützt vor Kälte und weist Wasser ab. In diesem Workshop entdecken wir die vielseitigen Möglichkeiten dieses weichen Materials.

  • Für junge Entdecker: Spielerisch entstehen kleine Figuren wie Schnecken, Fische, Käfer oder bunte Monster, die zu originellen Broschen und Anhängern verarbeitet werden. 
  • Für Fortgeschrittene: Wir wagen uns an die Hohlraumtechnik. Durch intensives Walken entstehen nahtlose Behältnisse wie kleine Geldbeutel oder Handytaschen. 
  • Veredelung: Mit der Technik des Nadelfilzens können feine Muster und Ornamente direkt auf die Werkstücke aufgebracht werden.

Geschichtlicher Hintergrund
Das Filzen von Schafwolle ist wahrscheinlich älter als das Weben. Schon in der Jungsteinzeit nutzten Menschen die faszinierende Eigenschaft von Wolle, welche sich durch Wasser und Bewegung fest verbindet. 

Ein Handwerk ohne Werkzeug
Ursprünglich benötigte man für den Filzprozess lediglich Wolle, Wasser und kräftige Hände. Seife dient heute als nützliches Hilfsmittel, um die Fasern schneller zu öffnen. Da Filz ein reines Naturprodukt und biologisch abbaubar ist, zählen Textilfunde aus der Steinzeit zu den seltenen und besonders wertvollen Schätzen der Archäologie.

Kalligraphie (Schreiben mit der Gänsefeder)

Personenanzahl:maximal 7 Personen
Alter:ab 10 Jahren
Dauer:ca. 1 Stunde
Kosten: € 15,00 pro Person


Gänsefeder schreiben

Im Stadtmuseum Zwettl zeugen kostbare historische Dokumente von einer Zeit, in der jedes Wort mit Hand und Feder gesetzt wurde. Bei diesem Workshop wird die Kalligraphie entdeckt: Erfahren Sie, wie eine echte Gänsefeder für das Schreiben vorbereitet und präzise angespitzt wird. Nach ersten Schwungübungen und dem spielerischen Umgang mit Tinte gestalten die Teilnehmer eigene Kunstwerke auf edlen Papieren. 

  • Krönen Sie Ihre Arbeit mit einem kunstvollen Monogramm auf einem selbst gestalteten Lesezeichen. 

Geschichtlicher Hintergrund
In Europa werden etwa seit dem 4. Jahrhundert Vogelfedern zum Schreiben eingesetzt. Meist verwendete man den zugespitzten Mittelsteg einer Schwungfeder der Gans. Daneben gab es Rohrfedern und selten auch Glasfedern. Die stählerne Schreibfeder, die auch heute noch bei Füllfedern zum Einsatz kommt, stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Fingerschlaufenflechten - Mittelalterliche Kordelkunst

Personenanzahl:maximal 15 Personen
Alter:ab 10 Jahren
Dauer:ca. 1 Stunde
Kosten: € 15,00 pro Person



Ob als robuste Schnürsenkel, praktische Nestelschnüre für Gewandungen oder als modisches Armband – geflochtene Kordeln sind seit Jahrhunderten universell einsetzbar. In diesem Workshop erlernen Sie eine faszinierende Technik, die zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert ihre Blütezeit erlebte.
Beim Fingerschlaufenflechten entstehen aus sieben fixierten Schlaufen durch rhythmisches Umlegen von Finger zu Finger in kurzer Zeit kunstvolle Bänder.
Diese handwerkliche Fertigkeit fördert die Konzentration und Feinmotorik. Am Ende halten Sie Ihr selbst geflochtenes Unikat in den Händen.
Voraussetzung: Ein wenig Fingerfertigkeit und Freude am Ausprobieren. 

Geschichtlicher Hintergrund
Die Herstellung von Seilen und Schnüren gehört zu den ältesten Techniken der Menschheit – schon Töpferwaren der Steinzeit zeigen Abdrücke charakteristischer Flechtmuster. 

Das Nestelband in der Mode 
Während grobe Seile für Transport und Tierhaltung dienten, war die feine Kordel (oder das Nestelband) ab dem 12. Jahrhundert aus der europäischen Mode nicht wegzudenken. Da Kleidung damals oft körperbetont geschnitten war, dienten diese Bänder zum Schnüren von Oberteilen und Hosen, aber auch als dekorative Gürtel oder Zierelemente an Uniformen.
Die Fingerschlaufentechnik erwies sich dabei als ideal für die Verarbeitung feiner Garne und ist bis heute eine der authentischsten Methoden, um historische Textilgeschichte lebendig werden zu lassen.